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Ringelnatz Kindergedichte

Lustige Reime - kurze Verse - Ringelnatz für Kinder

Der deutsche Dichter Joachim Ringelnatz ist bekannt für seine humoristischen Gedichte und die Kunstfigur Kuttel Daddeldu. Seine Kinderbücher werden kontrovers diskutiert, da er den Kindern in den Gedichten Anweisungen für unpädagogische Spiele gibt. Allerdings sind Bilder und Inhalte grotesk überzogen, so sehr, dass Kinder es differenzieren können. Das Projekt Kinderverwirrbuch mit Geschichten zeitgenössischer Autoren pflegt seit September 2011 den vernünftigen Ansatz, dass Ringelnatz in satirischer Form für ein kindliches Grundrecht eintrete. Kinder würden zu einer kritischen Haltung gegenüber Verharmlosungen und Sentimentalisierungen bestimmter „Erzählungen“, Erziehungsstereotypen und veralteter Kinderliteratur befähigt. Hier also eine Auswahl seiner Gedichte, Reime und Verse.

Ich habe dich so lieb

Ich habe Dich so lieb
Ich würde Dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofenschenken.
Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei verjährt
Doch nimmer vergessen
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.
Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt
Er kann nicht lesen
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe Dich so lieb.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Meine Tante

Meine Tante ist eine Blinde
Und obendrein geistesgestört,
Was ich doch noch rüstig empfinde,
Weil sie auf dem einen Ohr hört.

Ihr Rückgrat ist wie ein Henkel.
Sie geht deshalb etwas gebückt.
Doch hat sie am oberen Schenkel
Ein Grübchen, das jeden entzückt.

Ein Grübchen, wie manch eine Haut hat,
Nur zarter und doch wieder stark,
Dass jeder, der es geschaut hat,
Erfreut etwas zahlt. Meist drei Mark.

Sie hat Perioden mit Äther.
Ich breche mitunter mit ihr
Beziehungen ab, die ich später
Erneure bei angeblich Bier.

Denn sie ist doch eine volle
Mimosengestalt, ein Genie,
Und immer noch unter Kontrolle.
Ich garantiere für sie.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)



Kindersand

Das Schönste für Kinder ist Sand.
Ihn gibt's immer reichlich.
Er rinnt unvergleichlich
Zärtlich durch die Hand.

Weil man seine Nase behält,
Wenn man auf ihn fällt,
Ist er so weich.
Kinderfinger fühlen,
Wenn sie in ihm wühlen,
Nichts und das Himmerlreich.

Denn kein Kind lacht
Über gemahlene Macht.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Der Spielball

Es weint ein Kind.
Ein Luftballon mit dünnem Zopf
Und kleiner als des Kindes Kopf
Entflieht im Wind.

Und reist und steigt verwegen.
Ein Nebel wallt.
Ein Fehlschuss knallt.
Dann fällt ein sanfter Regen.

Rundrote Riesenbeere
Rollt müde und verschrumpft
In einem Wipfelmeere,
Hat austriumpht.

Witziger Kräherich
Bringt seinem Bräutchen
Ein hohles Häutchen,
Die aber ärgert sich.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee
Da taten ihnen die Beine weh,
Und da verzichteten sie weise
Denn auf den letzten Teil der Reise.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Zu einem Geschenk

Ich wollte dir was dedizieren,
nein, schenken, was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und Messing-Gegenstände oxydieren.

Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,

etwas Altertümliches dabei ---
doch was nützt dir eine Lanzenspitze!
An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.

Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.
Nein - das Sofa und so grosse Dinge kommen

überhaupt nicht in Betracht.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht,
rumgegrübelt, was ich dir geben könnte.
Schlief deshalb nur eine,

allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluss hab ich doch nur dies kleine,
lumpige, beschissne Ding gefunden.
Aber gern hab ich für dich gewacht.

Was ich nicht vermochte, tu du's:
Drücke du nur ein Auge zu.
Und bedenke,
dass ich dir fünf Stunden Wache schenke.

Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Eine gelbe Zitrone

Es war eine gelbe Zitrone,
Die lag unter einer Kanone,
Und deshalb bildete sie sich ein,
Eine Kanonenkugel zu sein.
Der Kanonier im ersten Glied,
Der merkte aber den Unterschied.
--
Bemerkt sei noch in diesem Lied,
Ein Unterschied ist kein Oberschied.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)



Es war einmal ein schlimmer Husten

Es war einmal ein schlimmer Husten,
Der hörte gar nicht auf zu pusten.
Zwar kroch er hinter eine Hand,
Was jedermann manierlich fand,
Und doch hat ihn der Doktor Lieben
Mit Liebens Malzbonbon vertrieben.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Nein, schimpfte die Ringelnatter

"Nein", schimpfte die Ringelnatter, "die Mode
Von heutzutage, die wurmt mich zu Tode.
Jetzt soll man täglich, sage und schreibe,
Zweimal die Wäsche wechseln am Leibe,
Und immer schlimmer wird's mit den Jahren.
Es ist rein um aus der Haut zu fahren!"
So schimpfte die Ringelnatter laut
Und wirklich fuhr sie aus der Haut.
- - -
Der Vorfall war nicht ohne Bedeutung,
Denn zoologisch nennt man das Häutung.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Ein Pflasterstein, der war einmal

Ein Pflasterstein, der war einmal
Und wurde viel beschritten.
Er schrie: "Ich bin ein Mineral
Und muss mir ein für allemal
Dergleichen streng verbitten!"

Jedoch den Menschen fiel's nicht ein
Mit ihm sich zu befassen,
Denn Pflasterstein bleibt Pflasterstein
Und muss sich treten lassen.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Unterwasser Bläschen machen

Kinder ein Rätsel! Hört mich an!
Wer es herausbekommt, kriegt Geld! - Wie kann
Man unter Wasser Bläschen machen?
Das müsst ihr versuchen - unbedingt! -
In der Badewanne. Und wenn es gelingt,
Werdet ihr lachen.

(Joachim Ringelnatz, 1883-1934, deutscher Dichter, Schriftsteller, Kabarettist und Maler)

Lernen - Unterricht - Wissen

Joachim Ringelnatz
Leben und Werke auf Wikipedia.

Chanson vom grossen Publikum - Unterrichtsbausteine
von Ringelnatz, zum Downloaden bei School-scout.de

Joachim Ringelnatz als Dichter des Perfomativen
Gedichte als Vortragsaufgaben im Unterricht.

Lyrik im Deutschunterricht
bei deutsch-lernen.zum.de

Bücher & Geschenk-Tipps

Das große Ringelnatz-Buch: Die schönsten Gedichte und Geschichten (Kinderbücher)





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Glückwunsch: Gratulieren mit Ringelnatz Gedichten

Ringelnatz Kindergedichte
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